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Backup-Strategie für zuhause: Die 3-2-1-Regel praktisch umgesetzt

RAID ist kein Backup: Wie du mit der 3-2-1-Regel, Versionierung und einer Offsite-Kopie deine Daten wirklich absicherst — mit konkretem Setup fürs Homelab.

Von Niclas Hennrich · Veröffentlicht: · aktualisiert · 4 Min. Lesezeit


Kurz gesagt: RAID ist kein Backup — es schützt nur vor Plattenausfall. Wirklich abgesichert sind deine Daten erst mit der 3-2-1-Regel: 3 Kopien, auf 2 verschiedenen Medien, davon 1 außer Haus — plus Versionierung gegen Ransomware, Automatisierung mit Monitoring und regelmäßigen Restore-Tests.

Es ist der teuerste Satz im Selfhosting: „Meine Daten liegen doch im RAID.“ RAID (und auch RAIDZ) schützt vor genau einem Szenario — Plattenausfall. Gegen versehentliches Löschen, Ransomware, Blitzschlag, Diebstahl, ein kaputtes Dateisystem oder den eigenen Konfigurationsfehler hilft nur ein echtes Backup. Hier ist die Strategie, die sich seit Jahrzehnten bewährt — heruntergebrochen auf ein Zuhause mit Homeserver.

Die 3-2-1-Regel #

  • 3 Kopien deiner Daten (Original + 2 Backups)
  • auf 2 verschiedenen Medien/Systemen
  • davon 1 außer Haus (offsite)

Warum jede Ziffer zählt: Zwei Kopien im selben Gehäuse sterben gemeinsam (Netzteil, Überspannung). Zwei Kopien im selben Haus sterben gemeinsam (Feuer, Wasser, Einbruch). Erst die Offsite-Kopie macht aus „Redundanz“ eine Versicherung.

Regel Nummer null: Versionierung #

Ein Backup, das nur den aktuellen Stand spiegelt, kopiert auch jeden Fehler mit: Die von Ransomware verschlüsselte Datei ersetzt brav die gesunde Kopie. Deshalb brauchen Backups Versionen/Snapshots — den Stand von gestern, letzter Woche, letztem Monat. Moderne Backup-Tools (restic, Borg, Proxmox Backup Server, Synology Hyper Backup) machen das automatisch und speicherschonend (Deduplizierung). Wie viel Platz eine Versions-Historie wirklich braucht, schätzt der Backup-Speicher-Rechner — meist deutlich weniger als befürchtet.

Was gehört überhaupt ins Backup? #

Priorisiere ehrlich — nicht alles ist gleich wichtig:

KategorieBeispieleStrategie
UnersetzlichFotos, Dokumente, Paperless-Archiv, Vaultwardenvolle 3-2-1, versioniert, regelmäßig getestet
Mühsam ersetzbarKonfigurationen, Docker-Volumes, VM-Imagesversioniertes Backup, mindestens lokal + Kopie
ErsetzbarMedienbibliothek, ISO-Sammlungen, Container-Imagesoptional; oft reicht die Redundanz im Array

Die Medien-Sammlung dreimal vorzuhalten sprengt jedes Budget — und ist meist unnötig. Die 50 GB Paperless + Fotos dagegen passen in jeden Plan.

Ein konkretes Setup fürs typische Homelab #

Annahme: ein Proxmox-Server mit Diensten, Daten auf einem NAS oder im Server selbst.

  1. Kopie 1 — das Original auf dem Server/NAS (gern mit RAID/RAIDZ gegen Plattenausfall und Snapshots gegen „Ups“).

  2. Kopie 2 — lokales Backup: nächtlich auf ein zweites Gerät oder mindestens eine USB-Platte: VMs/LXCs per Proxmox-Backup (vzdump oder PBS), Datei-Daten per restic/Borg. Wichtig: eigenes Gerät, eigene Zugangsdaten — ein kompromittierter Server darf sein Backup nicht löschen können (Pull-Prinzip oder Append-only-Modus).

  3. Kopie 3 — offsite: je nach Datenmenge und Vertrauen:

    • Cloud-Storage (verschlüsselt durch restic/Borg — der Anbieter sieht nur Datenmüll); Storage-Boxen oder S3-kompatible Angebote kosten für die „unersetzlich“-Kategorie wenige Euro im Monat
    • Die Verwandten-Platte: eine verschlüsselte USB-Platte, die bei Eltern/Freunden liegt und bei Besuchen rotiert wird — Low-Tech, aber vollwertig offsite
    • Zweiter Standort per VPN: ein kleiner Rechner bei Familie, erreichbar über WireGuard, als Replikationsziel

    Plane fürs erste Voll-Backup genug Zeit ein: Über einen typischen DSL-Upload dauern ein paar Terabyte Tage bis Wochen — der Transfer-Zeit-Rechner zeigt, was realistisch ist und wann sich „Seeding“ per Festplatte lohnt.

Automatisieren oder es passiert nicht #

Manuelle Backups sterben nach drei Wochen Motivation. Deshalb:

  • Zeitplan im Tool (Proxmox-Backup-Jobs, systemd-Timer für restic)
  • Monitoring: Ein Backup, das seit Wochen fehlschlägt, ist keins. Minimal: E-Mail bei Fehlern. Besser: ein Heartbeat — der Job meldet sich nach Erfolg bei Uptime Kuma (Push-Monitor), und Ausbleiben alarmiert.
  • Restore-Test: Der einzige Beweis, dass ein Backup existiert, ist eine gelungene Wiederherstellung. Einmal pro Quartal eine Datei und einmal eine komplette VM zurückholen — ernsthaft, in den Kalender damit.

Häufige Fehler #

  • RAID als Backup zählen — siehe oben, das Original ist eine Kopie, egal wie redundant.
  • Backup auf dem selben Gerät („zweite Partition“) — stirbt mit dem Gerät.
  • Sync statt Backup: Nextcloud/Syncthing spiegeln Löschungen sofort auf alle Geräte. Sync ist Komfort, kein Backup.
  • Unverschlüsselte Offsite-Kopie — die Verwandten-Platte kann gestohlen werden; restic/Borg/LUKS lösen das nebenbei.
  • Backup-Ziel dauerhaft gemountet: Ransomware verschlüsselt alles, was sie erreichen kann. Ziele nur zum Backup-Zeitpunkt verbinden oder Append-only betreiben.

Fazit #

Eine Backup-Strategie fürs Zuhause ist keine Enterprise-Wissenschaft: die unersetzlichen Daten identifizieren, 3-2-1 mit Versionierung dafür umsetzen, automatisieren, überwachen, testweise wiederherstellen. Ein Wochenende Arbeit — gegen den einen Tag, an dem alles davon abhängt.

Häufige Fragen

Was ist die 3-2-1-Regel beim Backup?
Die 3-2-1-Regel bedeutet: 3 Kopien deiner Daten (das Original plus 2 Backups), auf 2 verschiedenen Medien oder Systemen, davon 1 Kopie außer Haus. Zwei Kopien im selben Gehäuse sterben gemeinsam durch Netzteil oder Überspannung, zwei Kopien im selben Haus durch Feuer, Wasser oder Einbruch. Erst die Offsite-Kopie macht aus Redundanz eine Versicherung.
Ist RAID ein Backup?
Nein. RAID und auch RAIDZ schützen vor genau einem Szenario, dem Plattenausfall. Gegen versehentliches Löschen, Ransomware, Blitzschlag, Diebstahl, ein kaputtes Dateisystem oder eigene Konfigurationsfehler hilft nur ein echtes Backup auf einem anderen Gerät.
Warum brauchen Backups Versionierung?
Ein Backup, das nur den aktuellen Stand spiegelt, kopiert jeden Fehler mit: Die von Ransomware verschlüsselte Datei ersetzt brav die gesunde Kopie. Deshalb brauchen Backups Versionen oder Snapshots vom Stand von gestern, letzter Woche und letztem Monat. Tools wie restic, Borg, Proxmox Backup Server oder Synology Hyper Backup machen das automatisch und dank Deduplizierung speicherschonend.
Welche Daten gehören ins Backup?
Unersetzliches wie Fotos, Dokumente, das Paperless-Archiv oder Vaultwarden bekommt die volle 3-2-1-Behandlung mit Versionierung und regelmäßigen Tests. Mühsam Ersetzbares wie Konfigurationen, Docker-Volumes und VM-Images braucht mindestens ein versioniertes lokales Backup plus Kopie. Ersetzbares wie die Medienbibliothek ist optional, dort reicht oft die Redundanz im Array.
Wie mache ich ein Offsite-Backup zuhause?
Drei bewährte Wege: verschlüsselter Cloud-Storage per restic oder Borg, bei dem der Anbieter nur Datenmüll sieht und der für die unersetzliche Kategorie wenige Euro im Monat kostet; eine verschlüsselte USB-Platte bei Eltern oder Freunden, die bei Besuchen rotiert wird; oder ein kleiner Rechner an einem zweiten Standort, erreichbar per WireGuard-VPN als Replikationsziel.

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