Unraid vs. Proxmox vs. TrueNAS: Welches System für deinen Homeserver?
Die drei großen Homeserver-Systeme im ehrlichen Vergleich: Stärken, Schwächen, Storage-Philosophie und eine klare Empfehlung je nach Einsatzzweck.
Von Niclas Hennrich · Veröffentlicht: · aktualisiert · 3 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: Proxmox VE ist die Wahl zum Virtualisieren und Lernen (kostenlos, Open Source), Unraid das bequeme Medien- und App-NAS mit beliebig mischbaren Platten (kostenpflichtig), TrueNAS die ZFS-Festung für maximale Datenintegrität (kostenlos). Für den ersten richtigen Homeserver ist Proxmox meist der beste Startpunkt — die anderen lassen sich später ergänzen.
Die Frage kommt in jedem Homelab-Forum wöchentlich: Unraid, Proxmox oder TrueNAS? Die ehrliche Antwort: Es sind drei verschiedene Werkzeuge, die sich nur teilweise überlappen. Wer die Philosophie der drei versteht, kann die Entscheidung in fünf Minuten treffen.
Die Kurzfassung #
| Proxmox VE | Unraid | TrueNAS | |
|---|---|---|---|
| Kern-Identität | Hypervisor | NAS mit App-Fokus | NAS mit ZFS-Fokus |
| Preis | kostenlos (Open Source) | kostenpflichtig (Lizenz) | kostenlos (Open Source) |
| Storage-Ansatz | flexibel (ZFS, LVM, Ceph …) | eigenes Array + Parität, Platten einzeln erweiterbar | ZFS, Pools fest geplant |
| VMs | exzellent (KVM) | gut | gut (KVM) |
| Container | LXC nativ; Docker via VM | Docker nativ, riesiger App-Katalog | Docker/Apps nativ |
| Zielgruppe | „Ich will virtualisieren“ | „Ich will ein bequemes Medien-/App-NAS“ | „Meine Daten sind mir heilig“ |
Proxmox VE: der Virtualisierer #
Philosophie: Proxmox ist zuerst Hypervisor, alles andere ist Zubehör. VMs und LXC-Container sind erstklassig, Backups (vzdump/PBS), Snapshots und Migration gehören zum Kern. Storage ist flexibel, aber du musst wissen, was du willst — NAS-Komfortfunktionen (SMB-Shares zusammenklicken, Nutzerverwaltung) gibt es nicht in der Oberfläche; dafür baut man sich eine NAS-VM oder einen LXC.
Stärken: kostenlos, extrem ausgereift, riesige Community, keinerlei Lizenz-Lock-in, skaliert vom N100 bis zum Cluster. Schwächen: Lernkurve, kein „NAS out of the box“, Weboberfläche eher funktional als schön.
Nimm Proxmox, wenn du mehrere Dienste/VMs betreiben, viel lernen und maximal flexibel bleiben willst. Unser Installations-Guide bringt dich rein.
Unraid: das bequeme App-NAS #
Philosophie: Unraid dreht die Storage-Logik um. Statt klassischem RAID nutzt es ein Array aus beliebig gemischten Platten mit dedizierter Paritätsplatte: Du kannst jederzeit eine einzelne größere Platte nachstecken — der historische Killer-Vorteil fürs organisch wachsende Medien-NAS. Dateien liegen als normale Dateien auf einzelnen Platten; fällt mehr aus als die Parität abdeckt, sind nur die Daten der defekten Platten betroffen. Dazu kommt ein sehr bequemer Docker-App-Katalog (Community Applications) und solide VM-Unterstützung.
Stärken: einfachste Plattenerweiterung, im Leerlauf können einzelne Platten schlafen (spart Strom — passt zum Stromkosten-Thema), große Einsteiger-Community. Schwächen: kostenpflichtig (gestaffelte Lizenzen nach Plattenanzahl, inzwischen teils im Abo-Modell — aktuelle Preise auf unraid.net prüfen), Array-Schreibleistung durch Paritätsprinzip begrenzt, kein Open Source.
Nimm Unraid, wenn dein Kern ein Medien-/Datenspeicher mit bunter Plattensammlung ist und du Komfort über Prinzipien stellst.
TrueNAS: die ZFS-Festung #
Philosophie: TrueNAS (heute die Linux-basierte Variante, ehemals „SCALE“) ist um ZFS herum gebaut: Prüfsummen auf allem, Snapshots, Replikation, Selbstheilung bei Redundanz. Es ist das System für Leute, deren erste Frage lautet: „Wie sicher sind meine Daten?“ Apps laufen inzwischen auf Docker-Basis, VMs über KVM — beides gut, aber erkennbar zweite Priorität hinter dem Storage.
Stärken: ZFS in schön, kostenlos, professionelle Replikations- und Snapshot-Workflows, ausgezeichnet als Backup-Ziel. Schwächen: ZFS-Pools wollen geplant werden — das nachträgliche Erweitern ist besser geworden (RAIDZ-Expansion), bleibt aber unflexibler als Unraids Einzelplatten-Modell; RAM-Bedarf; weniger „App-Spielwiese“-Gefühl.
Nimm TrueNAS, wenn Datenintegrität dein Hauptziel ist — als reines NAS oder Backup-Ziel neben einem Proxmox-Host. Welche Kapazität bei RAIDZ übrig bleibt, zeigt der RAID- & ZFS-Rechner.
Die Kombinationen, die sich bewährt haben #
In der Praxis ist die Antwort oft „zwei davon“:
- Proxmox als Host + NAS als VM/Dienst — maximale Flexibilität auf einer Maschine. Beliebt, erfordert aber saubere Disk-Durchreichung.
- Proxmox-Server + separates TrueNAS als Backup-Ziel — sauber getrennt, robust, unser Favorit für „Daten wichtig, Basteln trotzdem erwünscht“.
- Nur Unraid — wenn ein Gerät alles machen soll und Medien der Schwerpunkt sind.
Unsere Empfehlung in einem Satz #
- Lernen + Virtualisieren + 0 € Budget: Proxmox.
- Medienserver mit wachsender Plattensammlung, Komfort zählt: Unraid.
- Datenarchiv/Backup mit maximaler Integrität: TrueNAS.
Für den typischen Labkompass-Leser — erster richtiger Homeserver, Docker, vielleicht Home Assistant, Budget knapp — ist Proxmox der beste Startpunkt: kostenlos, nichts verbaut, und jedes der anderen Systeme lässt sich später immer noch daneben- oder darunterstellen.
Häufige Fragen
- Was ist besser, Unraid, Proxmox oder TrueNAS?
- Es sind drei verschiedene Werkzeuge, die sich nur teilweise überlappen. Proxmox ist zuerst Hypervisor und ideal zum Virtualisieren, Unraid ein bequemes Medien- und App-NAS mit flexibel erweiterbarem Platten-Array, TrueNAS ein um ZFS gebautes NAS für maximale Datenintegrität. Für den ersten richtigen Homeserver ist Proxmox meist der beste Startpunkt.
- Ist Unraid kostenlos?
- Nein, Unraid ist kostenpflichtig — mit gestaffelten Lizenzen nach Plattenanzahl, inzwischen teils im Abo-Modell. Proxmox VE und TrueNAS sind dagegen kostenlos und Open Source.
- Was ist der Unterschied zwischen Unraid und TrueNAS beim Storage?
- Unraid nutzt ein Array aus beliebig gemischten Platten mit dedizierter Paritätsplatte und lässt sich jederzeit um eine einzelne größere Platte erweitern. TrueNAS setzt auf ZFS mit Prüfsummen, Snapshots, Replikation und Selbstheilung bei Redundanz — die Pools wollen aber geplant werden, denn das nachträgliche Erweitern bleibt trotz RAIDZ-Expansion unflexibler als Unraids Einzelplatten-Modell.
- Kann ich Proxmox und TrueNAS kombinieren?
- Ja, eine bewährte Kombination ist ein Proxmox-Server plus separates TrueNAS als Backup-Ziel — sauber getrennt und robust. Alternativ läuft ein NAS auch als VM oder Dienst auf dem Proxmox-Host, das erfordert aber saubere Disk-Durchreichung.
- Welches System eignet sich für den ersten Homeserver?
- Für den typischen Einstieg — erster richtiger Homeserver, Docker, vielleicht Home Assistant, knappes Budget — ist Proxmox der beste Startpunkt: kostenlos, nichts verbaut, und jedes der anderen Systeme lässt sich später immer noch daneben- oder darunterstellen.
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