VLANs auf OPNsense einrichten: Vom flachen Netz zur echten Segmentierung
Schritt für Schritt zu getrennten Netzen mit OPNsense: VLAN-Interfaces anlegen, DHCP pro Netz, Firewall-Regeln zwischen den Zonen und die Trunk-Konfiguration am Switch.
Von Niclas Hennrich · Veröffentlicht: · aktualisiert · 4 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: VLANs richtest du auf der OPNsense in drei Schritten ein: VLAN-Interfaces mit Tag auf dem Trunk-Interface anlegen, zuweisen und mit statischer IP aktivieren, dann DHCP pro Netz einrichten. Das Herzstück sind danach die Firewall-Regeln nach dem Muster „erst DNS erlauben, dann interne Netze blocken, dann Internet freigeben" — plus am Managed Switch ein Trunk-Port zur OPNsense und Access-Ports pro Gerät.
Die Theorie hatten wir im Guide VLANs trotz FritzBox: getrennte Netze für Server, Familie, IoT und Gäste, dazwischen eine Firewall. Jetzt die Praxis — komplett auf der OPNsense, vom VLAN-Interface bis zur ersten sinnvollen Regel. Vorausgesetzt wird die Grundkonfiguration und ein Managed Switch mit 802.1Q.
Der Plan (Beispiel) #
| VLAN-Tag | Name | Subnetz | Zweck |
|---|---|---|---|
| 10 | MGMT | 192.168.10.0/24 | Switch, Proxmox, OPNsense-GUI |
| 20 | TRUST | 192.168.20.0/24 | Familie, PCs, Handys |
| 30 | SERVER | 192.168.30.0/24 | Docker-Host, NAS, Dienste |
| 40 | IOT | 192.168.40.0/24 | Smart-Home-Geräte |
| 50 | GAST | 192.168.50.0/24 | Gäste-WLAN |
Ein Tipp aus Erfahrung: Subnetz-Drittes-Oktett = VLAN-Tag. Das erspart dir für immer das Nachschlagen. Was Netzadresse, Broadcast und nutzbare Hosts bei einem /24 (oder jeder anderen Netzgröße) genau bedeuten, rechnet dir der Subnetz-Rechner mit Erklärung vor.
Schritt 1: VLAN-Interfaces anlegen #
Interfaces → Devices → VLAN → Add, für jedes Netz:
- Parent: dein LAN-Interface (z. B.
igc1) — das wird der Trunk - VLAN tag: 10, 20, 30 …
- Description: MGMT, TRUST, …
Schritt 2: Zuweisen und aktivieren #
Interfaces → Assignments: Jedes neue VLAN-Device einem Interface zuweisen, dann pro Interface:
- Enable ✓
- IPv4 Configuration Type: Static — z. B.
192.168.10.1/24für MGMT - Beschreibung = VLAN-Name, spart Nerven in der Firewall-Ansicht
Schritt 3: DHCP pro VLAN #
Services → DHCPv4 → [Interface]: für jedes Netz eine Range aktivieren. DNS-Server: die jeweilige Interface-IP der OPNsense (Unbound lauscht auf allen internen Interfaces — prüfen unter Services → Unbound DNS), oder der Pi-hole, wenn DNS-Filterung gewünscht ist. Infrastruktur bekommt wie immer statische Zuweisungen.
Schritt 4: Firewall-Regeln — das Herzstück #
Neue OPNsense-Interfaces haben keine Regeln = alles eingehend wird verworfen. Das ist die richtige Ausgangslage; jetzt wird gezielt geöffnet. Lege zuerst zwei Aliases an (Firewall → Aliases):
RFC1918=192.168.0.0/16, 10.0.0.0/8, 172.16.0.0/12(alle privaten Netze)Ports_Verwaltung=443, 22(GUI + SSH)
Dann pro Interface das bewährte Grundmuster — am Beispiel IOT:
- Allow: IOT-Netz → DNS (Port 53) an „This Firewall“ — sonst löst nichts auf
- Block: IOT-Netz → RFC1918 — kein Zugriff auf irgendein internes Netz
- Allow: IOT-Netz → any — der Rest ist Internet, das darf raus
Die Reihenfolge ist entscheidend: OPNsense wertet Regeln von oben nach unten aus, der erste Treffer gewinnt („first match“). Das Muster „erst Nötiges erlauben, dann intern blocken, dann Internet freigeben“ funktioniert für IOT und GAST identisch.
Für TRUST drehst du es um: interne Zugriffe gezielt erlauben (z. B.
TRUST → SERVER auf Ports_Web, TRUST → MGMT nur von Admin_Geraete),
Internet frei. SERVER darf initiativ meist nur ins Internet (Updates), aber
nicht in TRUST — Verbindungen laufen andersherum, und Antworten regelt die
Stateful-Firewall von selbst.
Schritt 5: Ausnahmen für Smart Home #
Der Klassiker: Home Assistant (SERVER- oder
eigenes Netz) soll IoT-Geräte
steuern. Dafür braucht es eine gezielte Regel auf dem Interface des
Initiators — z. B. Allow: HomeAssistant_Host → IOT-Netz. Manche
Protokolle (mDNS/Chromecast, AirPlay) sind broadcast-basiert und brauchen
zusätzlich den mDNS-Repeater (os-mdns-repeater-Plugin) zwischen den
gewünschten Netzen. Sparsam einsetzen — jede Bridge zwischen Zonen weicht
die Trennung auf.
Schritt 6: Der Switch (Trunk + Access) #
Am Managed Switch:
- Trunk-Port zur OPNsense: alle VLANs tagged
- Access-Ports pro Gerät: untagged im jeweiligen VLAN (PVID setzen!)
- Uplinks zu Access Points: tagged mit allen WLAN-VLANs — die SSIDs mappen dann je auf ein VLAN
Die genaue Klick-Reihenfolge unterscheidet sich je Hersteller, das Konzept (tagged/untagged/PVID) ist überall gleich.
Migrationsstrategie: nicht alles auf einmal #
Der sicherste Weg vom flachen Netz:
- VLANs auf OPNsense + Switch zusätzlich zum bestehenden LAN aufbauen
- Ein Testgerät in TRUST umziehen, alles prüfen (Internet, DNS, interne Zugriffe)
- Gerätegruppen nacheinander umziehen — IoT zuletzt (dort meckert am meisten Alt-Hardware)
- Erst wenn das alte LAN leer ist: aufräumen
Typische Stolperfallen #
- Sich selbst ausgesperrt: Verwaltung zuerst im neuen MGMT-Netz sicherstellen, bevor die alte Erreichbarkeit fällt. Im Notfall: Konsole/ Monitor an die OPNsense.
- DNS vergessen (Regel 1): „Internet kaputt“ im neuen VLAN heißt fast immer: Port 53 zur Firewall nicht erlaubt.
- Switch-Port als Access statt Trunk zur Firewall: dann kommt genau ein VLAN an. Der OPNsense-Port muss tagged sein.
- FritzBox davor? Stört nicht — die VLANs existieren nur hinter der OPNsense; das Transfernetz-Setup bleibt unverändert.
Damit steht die Segmentierung — das größte einzelne Sicherheits-Upgrade, das ein Heimnetz bekommen kann.
Häufige Fragen
- Wie richte ich VLANs auf OPNsense ein?
- Unter Interfaces, Devices, VLAN für jedes Netz ein VLAN mit Parent-Interface und Tag anlegen, dann unter Interfaces, Assignments zuweisen, aktivieren und eine statische IPv4-Adresse wie 192.168.10.1/24 vergeben. Anschließend pro VLAN einen DHCP-Server mit eigener Range einrichten. Vorausgesetzt wird ein Managed Switch mit 802.1Q.
- Warum funktioniert das Internet in einem neuen OPNsense-VLAN nicht?
- Neue OPNsense-Interfaces haben keine Regeln, also wird alles Eingehende verworfen. Internet kaputt im neuen VLAN heißt fast immer: Die Regel fehlt, die DNS auf Port 53 zur Firewall erlaubt — ohne sie löst nichts auf.
- Welche Firewall-Regeln brauche ich für ein IoT-VLAN?
- Das bewährte Grundmuster: erst DNS an die Firewall erlauben, dann Zugriffe auf alle privaten Netze (RFC1918-Alias) blocken, dann den Rest ins Internet freigeben. Die Reihenfolge ist entscheidend, weil OPNsense Regeln von oben nach unten auswertet und der erste Treffer gewinnt. Dasselbe Muster funktioniert auch für das Gastnetz.
- Wie konfiguriere ich den Switch für OPNsense-VLANs?
- Der Port zur OPNsense wird Trunk-Port mit allen VLANs tagged. Access-Ports pro Gerät sind untagged im jeweiligen VLAN mit gesetzter PVID, Uplinks zu Access Points tagged mit allen WLAN-VLANs. Die Klick-Reihenfolge unterscheidet sich je Hersteller, das Konzept ist überall gleich.
- Wie kann Home Assistant Geräte in einem anderen VLAN steuern?
- Mit einer gezielten Allow-Regel auf dem Interface des Initiators, zum Beispiel vom Home-Assistant-Host ins IoT-Netz. Broadcast-basierte Protokolle wie mDNS, Chromecast oder AirPlay brauchen zusätzlich den mDNS-Repeater über das os-mdns-repeater-Plugin — sparsam einsetzen, jede Bridge zwischen Zonen weicht die Trennung auf.
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