Pi-hole vs. AdGuard Home: Welcher DNS-Filter passt zu dir?
Beide blocken Werbung im ganzen Netz — aber mit unterschiedlicher Philosophie. Der ehrliche Vergleich: Funktionen, Verschlüsselung, Bedienung und eine klare Empfehlung.
Von Niclas Hennrich · Veröffentlicht: · aktualisiert · 3 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: Beide filtern Werbung netzwerkweit per DNS, beide sind kostenlos und ausgereift. AdGuard Home ist die bequemere Alles-in-einem-Lösung mit eingebautem verschlüsseltem DNS, Pro-Client-Regeln und Zeitplänen — die klare Wahl für Familien-Setups. Pi-hole plus Unbound ist die architektonisch sauberste Lösung für alle, die maximale Souveränität wollen und gern basteln.
Netzwerkweiter Werbefilter per DNS — dafür gibt es zwei etablierte Selfhosting-Kandidaten: Pi-hole, den Klassiker mit riesiger Community, und AdGuard Home, den funktionsreicheren Herausforderer. Beide sind kostenlos, beide erledigen den Kernjob zuverlässig. Die Unterschiede liegen im Drumherum — und die entscheiden, welcher zu dir passt.
Das Grundprinzip (bei beiden identisch) #
Der Filter wird DNS-Server fürs ganze Netz (per DHCP verteilt). Fragt ein
Gerät nach werbung-tracker.example, antwortet der Filter mit „gibt es
nicht“ — die Werbung lädt gar nicht erst. Das wirkt auf jedem Gerät ohne
Software-Installation, auch auf Smart-TVs und IoT. Grenzen haben beide
gleichermaßen: YouTube- und Twitch-Werbung kommt vom selben Host wie der
Inhalt und ist per DNS praktisch nicht filterbar.
Der Vergleich #
| Pi-hole | AdGuard Home | |
|---|---|---|
| Installation | Skript auf Debian/Raspberry Pi, Docker | Single-Binary (Go), Docker, überall lauffähig |
| Verschlüsseltes DNS (DoH/DoT) upstream | über Zusatztools (z. B. cloudflared) oder Unbound | eingebaut |
| Verschlüsseltes DNS als Server (für Clients) | nein | ja (DoH/DoT/DoQ) — praktisch für unterwegs |
| Rekursiver Modus | mit Unbound daneben | nicht vorgesehen (forwardet immer) |
| Pro-Client-Regeln | Gruppen-System (mächtig, etwas sperrig) | eingebaut und sehr zugänglich |
| Zeitpläne (z. B. Social Media abends aus) | über Umwege | eingebaut |
| DHCP-Server integriert | ja | ja |
| Oberfläche | funktional, ausgereift | moderner, aufgeräumter |
| Community/Doku | riesig, 10+ Jahre Wissen in Foren | groß und wachsend |
| Hintergrund | Community-Projekt (Open Source) | Open-Source-Projekt der AdGuard-Firma |
Die Philosophie dahinter #
Pi-hole ist Unix-Denke: ein Werkzeug, ein Job. Es filtert DNS — die Auflösung selbst delegiert es an einen Upstream deiner Wahl, ideal an ein lokales Unbound. Das ergibt die architektonisch sauberste Lösung (Filterung + rekursive Auflösung, alles im Haus), verlangt aber zwei Komponenten.
AdGuard Home ist die Alles-in-einem-Box: Filterung, DoH/DoT in beide Richtungen, Client-Verwaltung, Zeitpläne — eine Binary, eine Oberfläche. Bequemer, dafür bleibt es konzeptionell ein Forwarder: Deine Anfragen gehen (verschlüsselt) an einen Upstream-Anbieter deiner Wahl.
Empfehlung nach Nutzertyp #
- Du willst maximale Souveränität und bastelst gern: Pi-hole + Unbound. Kein Dritter sieht deine DNS-Historie — Anleitung: Pi-hole mit Unbound einrichten.
- Du willst eine Lösung in 15 Minuten mit allem drin: AdGuard Home. Gerade die Pro-Client-Regeln und eingebautes DoH sind stark.
- Familien-Setup mit Kinder-Zeitplänen: AdGuard Home, eindeutig.
- OPNsense vorhanden: Erst überlegen, ob Unbound auf der Firewall plus Blocklisten dort nicht schon reicht — ein Gerät weniger, das DNS-Infrastruktur spielt.
Falsch machst du mit keinem der beiden etwas: Beide sind ausgereift, aktiv entwickelt und in fünf Minuten wieder deinstalliert, wenn dir der andere besser gefällt. Wichtiger als die Wahl ist der Betrieb: DNS ist kritische Infrastruktur. Plane einen zweiten Resolver ein (zweite Instanz oder die Firewall als Fallback), sonst ist bei jedem Update des Filter-Hosts „das Internet kaputt“.
Betriebs-Tipps (für beide) #
- Host mit statischer IP, per DHCP als einziger DNS verteilen — sonst laufen Anfragen am Filter vorbei
- Mit den Standard-Blocklisten starten; erst nachschärfen, wenn die Familie eine Woche beschwerdefrei war
- Whitelist-Kandidaten Nummer 1: Klick-Tracker aus Newslettern und Shop-Links — das Query-Log zeigt sofort, woran es hakt
- Läuft der Filter in einer VM/einem Container auf dem Proxmox-Host: Autostart-Reihenfolge prüfen, damit DNS vor allen anderen Diensten steht
Häufige Fragen
- Was ist besser, Pi-hole oder AdGuard Home?
- Beide sind kostenlos, ausgereift und erledigen den Kernjob zuverlässig. AdGuard Home bringt verschlüsseltes DNS, Pro-Client-Regeln und Zeitpläne von Haus aus mit und ist die bequemere Alles-in-einem-Lösung. Pi-hole in Kombination mit Unbound ist die architektonisch sauberste Wahl für maximale Souveränität — dann sieht kein Dritter deine DNS-Historie.
- Kann Pi-hole oder AdGuard Home YouTube-Werbung blocken?
- Nein. YouTube- und Twitch-Werbung kommt vom selben Host wie der Inhalt und ist per DNS praktisch nicht filterbar. Diese Grenze haben beide Tools gleichermaßen.
- Unterstützt AdGuard Home verschlüsseltes DNS?
- Ja, DoH und DoT zum Upstream sind eingebaut, und AdGuard Home kann selbst als verschlüsselter DNS-Server für Clients dienen (DoH, DoT, DoQ) — praktisch für unterwegs. Pi-hole braucht für verschlüsseltes Upstream-DNS Zusatztools wie cloudflared oder ein lokales Unbound.
- Welcher DNS-Filter eignet sich für Familien mit Kinder-Zeitplänen?
- AdGuard Home, eindeutig. Zeitpläne (etwa Social Media abends aus) und sehr zugängliche Pro-Client-Regeln sind eingebaut, während Pi-hole dafür Umwege über sein Gruppen-System braucht.
- Warum sollte ich einen zweiten DNS-Resolver einplanen?
- DNS ist kritische Infrastruktur: Fällt der einzige Filter-Host aus oder macht ein Update, ist im ganzen Netz das Internet kaputt. Plane deshalb eine zweite Instanz oder die Firewall als Fallback ein.
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